Kantonsratswahlen - 24.03.2019
Rochus Burtscher
QUERDENKEN. ERKENNEN. UMSETZEN.
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Mutig sein, heisst Haltung tragen. (1. August-Rede in Weiningen)

Wann haben Sie das letzte Mal etwas gemacht, das in Ihren Augen mutig war. Oder können Sie sich jemanden vorstellen, der mutig gewesen ist? Was ist denn nun Mut wirklich? Sind wir überhaupt fähig, mutig zu sein? Mut heisst nicht, mit 200 km/h durch Quartierstrassen zu brettern oder von Bergen runterzuspringen und im letzten Augenblick den Fallschirm zu öffnen. Dies ist nur etwas für Adrenalin-Junkies und diese glauben, dass sie damit ihre eigene Angst überwinden können. Sie gehen immer weiter und weiter - am Schluss gehen sie sogar über ihre Grenzen und meistens kann man dann die Todesanzeige lesen – Rest in Peace –oder unter Kollegen oder Freunden wird diskutiert, wie mutig sie waren! Diese Menschen sind nicht mutig, sie suchen bzw. suchten einen Kick, um sich spüren zu können. Inhaltlich sind diese Menschen leer, unerfüllt, einsam und nicht fähig, sich in der Umwelt zurechtzufinden. Das ist eine ganz tragische Situation und diese Menschen brauchen unsere Unterstützung. Dann gibt es Menschen, die sich nur dann mutig fühlen, wenn sie grosskotzig über andere hinwegziehen können oder aufzeigen möchten, dass sie auf einem Geländer einer hohen Brücke balancieren können. Das ist auch nicht mutig, sondern das ist einfach gesagt, nur DOOF und DUMM!

Mutig sein, heisst Haltung tragen.        (1. August-Rede in Weiningen)

Mutig sein, heisst Verantwortung tragen. Primär sich selbst gegenüber, das nenne ich Eigenverantwortung und ich habe hier kein Problem damit, dass es zuerst um sich selbst geht. Wenn es einem selbst gut geht, dann geht es auch den anderen besser. Den anderen gegenüber Verantwortung tragen ist ebenfalls wichtig, das nenne ich Empathie bzw. Mitgefühl zeigen. Vor mehr als 700 Jahren (genau 728) haben sich Menschen zusammengetan und gründeten die Schweiz. Sie mussten dabei viel Mut zeigen und waren überzeugt, dass es allen hilft. Heute leben wir in Freiheit und sie haben recht bekommen. Seien wir mutig und spielen nicht mit dem hohen Gut unserer Freiheit. 

Was momentan in der politischen Welt der Schweiz abläuft – sei das nun CH-EU-CH – ist der Schweiz unwürdig. Nehmen wir doch all unseren Mut zusammen und sagen klar NEIN, so geht man nicht mit einem langjährig guten Partner um. Wo sind die mutigen Lösungen – ist es mutig unsere Freiheit zu verkaufen?

Schneiden wir das Thema «AHV und Pensionskassen» an – beides fahren wir mit hoher Geschwindigkeit an die Wand. Wollen wir das wirklich zulassen? Viele sind sich bewusst, dass die Jungen die Zeche bezahlen werden, aber es kümmert niemand? Diese Art des Egoismus ist ungesund. Hier muss dringend eine Lösung gefunden werden? Ansonsten riskieren wir einen Generationenkonflikt, der niemandem hilft. Wir älteren Semester müssen auch für die Jungen schauen und dürfen ihnen nicht einfach einen Schuldenberg hinterlassen. Lasst uns mutig sein, und zugunsten der Jungen wieder «verzichten» lernen.

Das aktuellste Thema sind die Klimastreiks – jawohl wir haben ein Problem! Doch die «Streikenden» versuchen nicht Lösungen zu finden, sondern brechen eine vermeintliche Lösung über das Knie. Die Lösung heisst Verbote, Regulierungen, Vorschriften und Besserwissen. Mit dem Finger auf jemanden zu zeigen ist einfacher als in den Spiegel zu schauen und zu sagen, ich muss etwas an mir ändern, damit es der Umwelt besser geht. Wenn jede und jeder dies vom Klimastreik macht und die anderen Nicht-Streikenden ebenfalls mitmachen, dann sind wir schon auf dem Weg der Besserung.

Was jedoch bei allen drei Themen klar hervorkommt, egal von welcher politischer Strömung es kommt, es ist Populismus pur und bringt uns keinen Schritt weiter in unserer Entwicklung. Wo sind die mutigen Politiker, die dem Volk auch einmal die Wahrheit sagen oder zumindest ihre Wahrnehmung aufzeigen, wohin es führen kann?  Wussten Sie, dass gemäss Bundesamt für Gesundheit die Depressionsrate von 28.7 im Jahr 2012 auf 34.6 % (2017) gestiegen ist? Übrigens bei den 15-24 Jährigen liegt die Rate bei 46.4%! Wussten Sie, dass mehr als 45% der Bevölkerung Schweiz Essstörungen haben? Tendenz steigend!

Mut heisst nämlich auch, unangenehme Themen anzusprechen, unangenehme Entscheide zu treffen und diese dann durchzusetzen – Schönwetterpolitiker gibt es genügend, denen geht es in erster Linie nur um ihre «Wieder»-Wahl. Deshalb wollen sie sich die Finger nicht verbrennen. Es geht mir nicht darum, Angst zu machen, sondern aufzuzeigen, wo der Schuh drückt. Das Volk ist viel mündiger als viele glauben wollen!

Mut bedeutet zwar schon, die eigene Angst zu überwinden. Doch wenn man sich ein bisschen in diese Thematik einliest, dann erfährt man, dass Angst lähmt. Mutig sein heisst nicht, keine Angst zu haben! Mutig sein heisst, mitten durch die Angst hindurch zu gehen. Einfaches Beispiel ist die Schlange und die Maus. Die Maus erstarrt vor der Schlange aus Angst und so hat die Schlange nachher einfaches Spiel. Wollen Sie wirklich die Maus sein.

Mutig sein ist nicht einfach – auch ich habe immer wieder Bammel beim Referieren. Ich weiss nie, ob meine Rede – wie meine 1. August-Rede – gut ankommt oder nicht. Bei meiner letzten Rede habe ich «Wahrheit und Wahrnehmung» thematisiert – in der Zeitung stand dann: Burtscher kritisiert die Medien, obwohl ich eigentlich die Medien anregen wollte, mehr investigativ unterwegs zu sein und nicht einfach abzuschreiben.

Ich weiss, dass ich zwar mit meiner Rede Ihnen etwas mitteilen darf, an das ich glaube und wovon ich überzeugt bin. Über die Jahre hinweg habe ich aber auch gelernt, anderen zuzuhören. Jeder hat gute Ideen, es gibt kein Falsch nur eine andere Denkweise. Vielleicht kann ich mit meiner heutigen Rede etwas auslösen, was zum Denken anregt.

Zudem weiss ich, was Angst bedeutet, doch ängstlich bin ich deswegen nicht. Ich habe mich vor mehr als 2 Jahrzehnten auf den Weg der Politik begeben. Nicht um meine Machtgelüste auszuleben, sondern um MUT zu beweisen. Ich will für etwas einstehen, das positiv auf mein Gegenüber, die Bürgerinnen und Bürger und die Umwelt wirkt. Wenn ich etwas tue, damit meine Umgebung in Form kommt, geht es auch mir prima – das wäre dann «reziproker Egoismus». Wir müssen nicht gleich die Welt retten - schaffen wir eh nicht -, es reicht, da wo wir leben, etwas zu tun – aber wir müssen etwas tun.

Ich bin gerne bereit, Neues zu lernen und was mich immer und immer wieder interessiert, sind Geschichten von Menschen. Dies ist ein unerschöpflicher Fundus für den Mut, den ich aufbringen will. Mut heisst für mich, auf Menschen zugehen. Mut heisst für mich, auch einmal NEIN zu sagen. Was wir aber in der Schweiz an politischen Meinungen produzieren und JA an die Medien – hier kritisiere ich -– hat nichts mit Mut zu tun, sondern mit Sichern der eigenen Pfründe. Keiner will verzichten, sondern sich an der Gesellschaft bedienen, anstelle der Gesellschaft zu dienen! Frei nach dem Motto: Brot für Brüder, Fleisch für mich!

Missgunst führt definitiv zu mutlosen Entscheidungen. Wenn jemand Millionär ist oder noch mehr, dann gönne ich es ihm oder ihr. Auch wenn sie es vererbt erhalten haben. Denn die Kraft aufzuwenden, diese Millionen zu verteidigen, braucht viel Energie, das ist definitiv nicht mein Ding. Wir müssen lernen demütig zu sein und nicht übermütig zu werden. Bekanntlich kommt der Fall vor dem Hochmut.

Auch in diesen zwei Wörtern steht der Mut «Demut und Hochmut». Die älteren Generationen kennen diese Begriffe noch – leider gehen diese Begrifflichkeiten verloren – die Erziehungsberechtigten und die Schulen interessieren sich nicht mehr dafür. Interessant jedoch ist, wenn man mit den Jungen spricht, dann beginnen sie sich mehr und mehr dafür zu interessieren. Wenn ich auf meine vier Töchter achte, dann kann ich von ihnen sehr viel lernen – nur ich muss es zulassen.

Seien wir mutig und gönnen den anderen etwas. Seien wir mutig und nehmen uns zurück. Seien wir älteren Semester mutig und hinterlassen den Jungen keinen Schuldenberg. Seien wir mutig und verzichten auf Materielles.

Und machen Sie etwas, was sie noch nie gemacht haben, und sei das nur am Morgen das Gegenüber zu grüssen und zu sagen, ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag – das ist mutig und sie können das Schönste erhalten, das sie sich überhaupt vorstellen können – ein Lächeln. Wenn das Gegenüber grummlig ist, dann denken sie sich ganz einfach: wer nicht will, hat gehabt. Denn Sie haben nichts zu verlieren, sondern zu gewinnen.

Ich wünsche nun allen einen schönen 1. August und viel Mut. Danke.

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